Noch vor ein paar Jahren war sich die Technik-Gemeinde einig: Virtual Reality (VR) ist DAS nächste große Ding! Dieser intensive Rundumblick, die komplett neuen Perspektiven und ungeahnte Möglichkeiten für Gamer, Multimedia-Liebhaber, Unternehmen und Sofa-Touristen ? der Erfolgsweg war vorgezeichnet, der Hype real. Der immer schneller fahrende Zug ist ins Stocken geraten, neue Blickwinkel sind nötig. Da kommt GoPro ins Spiel. Die Kalifornier schwammen dank ihrer Hero-Reihe ebenfalls auf der Welle des Erfolges, dominieren bis heute den Action-Cam-Markt. Doch der mit Karma versuchte Ausflug in luftige Drohnen-Höhen hat für Ebbe und sinkende Aktionkurse gesorgt. Mit der VR-Kamera Fusion soll das Comeback gelingen und die Vorzeichen sind vielversprechend! COMPUTER BILD hat einen Prototypen der Fusion exklusiv in den USA ausprobieren dürfen.

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Design: Eine plattgefahrene Hero 5

Optisch wirkt die von GoPro als Virtual-Reality-Kamera bezeichnete ? eigentlich ist eine 360-Grad-Kamera ? Fusion wie eine GoPro Hero 5. Mit ein paar Unterschieden: die Fusion ist größer und breiter, dafür etwas flacher. Man könnte glatt meinen, dass sich ein 40-Tonner hier ordentlich ausgetobt hat. Genauere Angaben zu den Gehäuseabmaßen oder dem Gewicht macht GoPro bislang nicht und waren in den luftigen Höhen der Rocky Mountains auch nicht möglich. Realistisch geschätzt dürfte die Fusion jedoch gut 200 Gramm wiegen und damit etwa doppelt so viel wie eine Hero 5. Die Verarbeitungsqualität ist jedoch schon beim Prototypen gewohnt hochwertig. Zudem verschwindet das auf der Rückseite angebrachte Farb-Display zum Betrachten der actionreichen Schnappschnüsse. Der vordere Info-Bildschirm mit den wichtigsten Funktionen bleibt dagegen. Ebenso wie der Mono-Lautsprecher auf der Unterseite, der rote Auslöserknopf und die Modus-Taste.

GoPro Fusion: neue 360-Grad-Kamera exklusiv ausprobiert! Die Fusion vom nahen: GoPros erste VR-Kamera ähnelt der Hero 5. Sogar das Zubehör der Action-Cams lässt sich weiterhin benutzen. © COMPUTER BILD

Die Fusion vom nahen: GoPros erste VR-Kamera ähnelt der Hero 5.

Technik: Besser als die Gear 360 ? auf dem Papier

Die größere Änderung sticht jedoch sofort ins Auge. Wo bei der kleineren Hero-Schwester das Display sitzt, grüßt nun eine zweite Kameralinse. Auge Nummer zwei sorgt für den von Samsungs Gear 360 gewohnten Rundumblick. Auf dem Papier ist die Fusion jedoch schon jetzt stärker als der große Rivale aus Südkorea. Baut die Samsung-Cam auf die ohnehin schon hohe 4K-Auflösung (3840×2160 Pixel), übertrumpft das GoPro-Pendant sie mit der 5,2K-Auflösung. Welche Auflösung und Aufzeichnungsmodi die Fusion genau beherrscht, ist momentan ebenso unklar wie die Wasserfestigkeit, wobei sie in ersten Videoaufnahmen schon feucht fröhliche Kayak-Touren überlebt hat. Die Kalifornier haben aus dem Karma-Debakel gelernt ? die Drohne wurde im zu frühen Entwicklungsstadium angekündigt, was den Druck erhöhte und letztendlich wohl auch zu den Fehlern führte ? und backen bei den Ankündigungen und vollmunidgen Versprechungen kleinere Brötchen. Schlecht für Technik-Liebhaber, gut für das Unternehmen.

GoPro Fusion: neue 360-Grad-Kamera exklusiv ausprobiert! Der größte Unterschied zur GoPro Hero 5: statt des Farb-Bildschirms kommt eine zweite Kameralinse zum Einsatz, die so den 360-Grad-Rundumblick ermöglicht. © COMPUTER BILD

Der größte Unterschied zur GoPro Hero 5: statt des Farb-Bildschirms kommt eine zweite Kameralinse zum Einsatz, die so den 360-Grad-Rundumblick ermöglicht.

Besonderer Modus: Aus 360 Grad mach normal

Beim Betrachten der ersten Probeaufnahmen ? kurioserweise mit Samsungs Gear VR-Brille ? spielt die Fusion jedoch schon einmal mit den Muskeln. Die Qualität der Videoschnipsel ist schon jetzt erstaunlich hoch und schafft eine intensive Illusion. Wenn sich der Betrachter plötzlich inmitten spielender Hunde wiederfindet oder einen Profi-Skifahrer beim alpinen Absprung mitsamt Fallschirmflug aus allen Perspektiven erlebt, ist das eine neue Dimension der virtuellen Realität. Interessant: im Rahmen des Events gab es einen kurzen Einblick in den Overcapture-Modus. Damit lassen sich aus dem 360-Grad-Video individuell festgelegte Teile in der gewohnten Fischeye-Optik in ausreichender Full-HD-Auflösung (1920×1080 Pixel) herausholen. Was wenig spektakulär klingen mag, könnte das so wichtige Alleinstellungsmerkmal der Fusion sein. Ist bei der Hero 5 das Sichtfeld beschränkt und ein Moment woanders womöglich verloren, hat die Fusion alles im Blick. Im Blick hat GoPro übrigens auch den Zubehörmarkt. Statt neue Befestigungsmöglichkeiten ins Leben zu rufen, lassen sich alle Zubehörteile der Hero-Reihe nutzen.

GoPro Fusion: neue 360-Grad-Kamera exklusiv ausprobiert! Fair: Sogar das Zubehör von GoPros Action-Cams lässt sich weiterhin benutzen. © COMPUTER BILD

Fair: Sogar das Zubehör von GoPros Action-Cams lässt sich weiterhin benutzen.

GoPro Fusion: Preis und Release

Die GoPro Fusion ist noch ein Stückchen von der Marktreife entfernt, technische Informationen bislang noch äußerst rar gesäht. Doch noch diesem Sommer soll es für interessierte Nutzer ein Testprogramm geben, die sich hier bewerben können. GoPro plant den Marktstart Ende des Jahres ? allerdings nur in ausgewählten Märkten.

GoPro Fusion: Erste Einschätzung

Mit der GoPro Fusion könnte das kriselnde Unternehmen wieder zurück in die Erfolgsspur finden. Obwohl es bereits einige 360-Grad-Kameras auf dem Markt gibt, hat die Fusion schon jetzt das gewisse Etwas. Die Auflösung ist höher als bei der Konkurrenz, die Bedienung gewohnt einfach und intuitiv. Als Highlight könnte sich jedoch der Overcapture-Modus, wo sich bestimme Bereiche des Videos in gewohnter Optik speichern lassen, erweisen.

34 Kameras

Zu den Top-Modellen

Die Teilnahme an der Reise wurde durch GoPro unterstützt. Unsere Standards der Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

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