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  1. Seite 1 ? Der Traum von einem neuen Internet
  2. Seite 2 ? Ein Ökosystem für dezentrale Apps

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Wer in diesen Zeiten etwas auf sich hält, muss eine eigene Kryptowährung entwickeln und auf die Blockchain setzen, notfalls auch nur im Namen. Dabei hat der Hype um Bitcoin in den vergangenen Monaten mehr halbgare als praktikable Ideen hervorgebracht. Doch es gibt auch Projekte, die im Falle eines Erfolgs großen Einfluss haben könnten. Das geplante Telegram Open Network (TON) des Chatdienstes Telegram könnte eines von ihnen sein.

1,2 Milliarden US-Dollar Startkapital will Telegram im ersten Quartal des Jahres in einem sogenannten Initial Coin Offering (ICO) einnehmen. Man kann ICOs als eine frühe Investition in eine neue Kryptowährung verstehen: Die Investoren kaufen die Währung zu einem vorgegebenen Preis ein, noch bevor sie auf den Markt kommt. Steigt deren Kurs später, haben sie Gewinn gemacht. Die Entwickler wiederum erhalten Geld, das sie in die Entwicklung ihrer Blockchain investieren können.

Auf diesem Weg will Telegramm laut TechCrunchzunächst 600 Millionen US-Dollar von ausgewählten Risikokapitalfirmen und Partnern einnehmen. Anschließend sollen noch einmal 600 Millionen in einem öffentlichen Verkauf folgen. Mit insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar wäre es das bis dato mit Abstand größte ICO ? vergangenen September konnte die Plattform Filecoin 257 Millionen US-Dollar einnehmen.

Telegram nähert sich 200 Millionen Nutzern

Die Pläne sind ambitioniert, vielleicht zu ambitioniert. Doch Telegram hat etwas, das viele Firmen, die nur allzu schnell dem Blockchain-Hype folgen, nicht haben: erstens Millionen bestehende Nutzer und zweitens konkrete Anwendungsfälle, in denen eine neue Kryptowährung nicht bloß als Spekulationsobjekt dient. 

Mit fast 200 Millionen aktiven Nutzern ist Telegram einer der beliebtesten und am schnellsten wachsenden Chatdienste der Welt. Zwar gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik an der eingesetzten Verschlüsselung des Dienstes, doch wie WhatsApp, Signal oder Threema ermöglicht auch Telegram, Nachrichten per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu verschicken, sodass sie nicht von Dritten ? auch nicht von Telegram selbst ? gelesen werden können.

In einem Whitepaper behaupten die Verantwortlichen, auf Telegram gäbe es bereits Hunderte öffentliche Chatgruppen, in denen ICOs und Kryptowährungen diskutiert werden. Der Dienst sei insgesamt bereits jetzt eine der zentralen Anlaufstellen für die Blockchain-Community ? ein Potenzial, das man ausschöpfen wolle. Dazu werden in dem Papier mehrere Anwendungsfälle beschrieben, von denen drei besonders interessant sind.

Bezahlen mit der Chat-App

Die erste Anwendung ist naheliegend: Das TON soll eine neue Kryptowährung erhalten, deren Einheiten Grams heißen. Die digitale Geldbörse für die Grams, die Wallet, soll in die Chat-App integriert werden. Haben die Nutzer einmal gängige Währung in Grams umgetauscht, können sie anschließend damit im TON bezahlen. Der Vorteil: Alle bestehenden Telegram-Nutzer hätten von einem Tag auf den nächsten bereits eine Krypo-Wallet auf ihrem Smartphone installiert. Das erleichtert den Einstieg.

Als Vorbild dient Telegram das chinesische Netzwerk WeChat. Es ermöglicht seinen Nutzern schon jetzt, direkt aus der App heraus Käufe zu tätigen oder anderen Nutzern Geld zu überweisen. In China hat WeChat Pay inzwischen mehr als 600 Millionen aktive Nutzer ? und den Handel revolutioniert. Telegram möchte das Konzept aufgreifen. Mit dem Unterschied, dass anstelle einer klassischen Währung eben Grams verwendet werden, einschließlich der Vorteile einer Kryptowährung: Überweisungen werden ohne Mittelsmänner getätigt und sind gleichzeitig anonym wie transparent in der Blockchain gespeichert.

Ein Problem von Blockchains wie der von Bitcoin ist die geringe Transaktionsrate. Weil jede Überweisung über viele Computer hinweg berechnet werden muss, können nur wenige Überweisungen pro Sekunde getätigt werden. Telegram will dies mit einer neuen Technik lösen, mithilfe der sich die Blockchain automatisch aufspalten kann, wenn zu viele gleichzeitige Prozesse laufen. So sollen laut Telegram “Millionen von Überweisungen” pro Sekunde möglich werden, wodurch Grams im Gegensatz zu Bitcoin in seiner jetzigen Form als gängiges Zahlungsmittel etabliert werden soll.

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